In der öffentlichen Diskussion geht es bei Gerechtigkeitsfragen eher wenig um die soziale Frage, sondern es dominieren die Kategorien „Race“ und „Gender“, obwohl sozioökonomische Ungleichheit das offensichtlicheste Gerechtigkeitsproblem darstellt. Der Grund: Es sind hauptsächlich Akademiker, die diese Debatte in den Medien, der Forschung, an Universitäten und in der Politik führen. Akademiker bilden die homogenste moralische Echokammer in Deutschland. Sie neigen am stärksten zu affektiver Polarisierung, identitätsschützenden Denkfehlern und moralischem Absolutismus. Tatsächlich sind Gerechtigkeitsdebatten oft verdeckte Status- und Zugehörigkeitskämpfe, in denen es mehr um Selbstdarstellung als um Problemlösung geht. Nur eine radikale Selbstkritik kann aus diesem Moralspektakel herausführen.