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    9 days ago

    Das sagt sich einfach als Wessi. Als Ossi ist man durchaus mit der Realität konfrontiert, dass man für die selbe Arbeit weniger Lohn und weniger Rente bekommt als ein Wessi. (Nord-/Süd-Gefälle gibt es auch aber der Bruch Ost/West ist krass). Ossis sind in allen gesellschaftlichen Bereichen von Spitzenpositionen weitestgehend ausgeschlossen. Ostdeutsche Minister sind extrem rar gesäht. Das Kollegium ostdeutscher Unis besteht weitestgehend aus Wessis. Behörden werden fast ausschließlich von Wessis geleitet. Ostdeutsche können auch auf keinen Generationen-alten Familienwohlstand zurück blicken, wie die meisten (sic) Wessis, sondern haben 1989 praktisch bei Null angefangen im Kapitalismus-Game. Fast alle Miet-Immobilien in ostdeutschen Städten gehören Wessis.

    Und das von der flächendeckenden Zerschlagung der ostdeutschen Wirtschaft und der Zerstörung der meisten Arbeitsbiografien unserer Eltern ganz abgesehen.

    Das rechtfertigt natürlich nicht dieses faschistisch-rassistische Gebahren. Aber so zu tun als würde Ost- und Westdeutschland keine Rolle spielen und die “Spaltung” endlich begraben werden, kann man sich halt nur leisten, wenn man Wessi ist.

    • smokeysnilas@feddit.org
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      9 days ago

      Ostdeutsche können auch auf keinen Generationen-alten Familienwohlstand zurück blicken, wie die meisten (sic) Wessis

      Als Wessi: wo Familienwohlstand? Es mag sein dass die meiste Erbmasse in westdeutschen Familien existiert, aber das sind immernoch die 1% Familien. Der Großteil der Wessis ist da genauso außen vor. Das Problem der ungleichen Vermögensverteilung ist eher ein gesamtdeutsches mMn.

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        8 days ago

        Du konterst hier statistische Tatsachen mit anekdotischer Evidenz. Die meisten (biodeutschen) westdeutschen Familien haben anderen an der ein oder anderen Ecke den ein oder anderen Wohlstand gebunkert. Sei es das Häuschen der Oma, ein halbwegs gefülltes Konto oder ein halbwegs finktionierender Handwerksbetrieb. Natürlich gibt es auch einen guten Teil (vielleicht ein Drittel?) bei dem das nicht so ist. Trotzdem ist der Kontrast zu ostdeutschen Generationenvermögen krass.

        Und die Schere zwischen Biodeutsch und Migrant*innen oder Kapitalist*innen und Arbeiter*innen etc. machen diese Tatsache nicht ungeschehen.

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          8 days ago

          vielleicht ein Drittel

          Da gehe ich nicht mit. Ich bin im Ruhrgebiet aufgewachsen, dem größten Ballungsraum Deutschlands. Und da gibt es sowas wie Familienwohlstand praktisch gar nicht bzw. wirklich eher Größenordnung 1%.

          Wenn Westen für dich aus Starnberg, Konstanz, Blankenese usw. besteht dann kann ich den Eindruck verstehen, das ist halt aber auch an der Realität vorbei. Ich hab jetzt auf die Schnelle zum Vermögen keine Statistik gefunden, aber die Einkommen sind z.B. in Brandenburg höher als in meiner westdeutschen Heimat. Wenn wir von Westen nach Osten umverteilen heißt das auch wir nehmen vom Ruhrgebiet und geben nach Brandenburg und machen in dem Fall die Ungleichheit und Ungerechtigkeit nur noch größer.

            • smokeysnilas@feddit.org
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              7 days ago

              Im Ruhrgebiet liegt die Eigentumsquote so bei ~25%, in Brandenburg bei ~45% . Wohneigentum ist auch nicht automatisch Familienwohlstand. Meine Oma hatte ein Reihenhaus, das ist verkauft worden für 140k€ und das Geld ist komplett für die Pflege drauf gegangen. Da ist exakt nichts von übrig wovon die Familie irgendeinen Vorteil hätte.

              Warum hängen wir uns so an den Himmelsrichtungen auf? So wiegeln wir doch nur die verarmten Westler und Ostler gegeneinander auf. Warum machen wir Umverteilung nicht einfach von reich zu arm, unabhängig vom Standort? Das ist viel treffsicherer. Und wenn die Situation tatsächlich so wäre wie du sagst, dann käme es doch aufs Gleiche heraus.

              • Chemo@feddit.org
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                7 days ago

                Das Ruhrgebiet ist eine Metropolregion, Brandenburg ein Flächenland, natürlich ist Wohneigentum kein brauchbarer Indikator für Familienwohlstand im direkten Vergleich. Vergleich doch einfach mal Ost- und Westdeutschland, statt die Diskussion mit herausgepickten Dimensionen zu verzerren:

                "Westdeutschland: Das durchschnittliche Nettovermögen liegt deutlich höher als in Ostdeutschland. Aktuelle Studien zeigen, dass das durchschnittliche Nettovermögen in Westdeutschland bei etwa 170.100 Euro (Ost) bzw. 364.900 Euro (West) liegt. Der Median (also der Wert, der die reichere von der ärmeren Hälfte trennt) ist jedoch deutlich niedriger und liegt in Westdeutschland bei etwa 60.400 Euro (Stand 2014, neuere Daten bestätigen weiterhin eine ähnliche Relation) boeckler.de+1.

                Ostdeutschland: Das Medianvermögen liegt bei etwa 26.000 Euro (2017) boeckler.de. Die Unterschiede sind auch altersabhängig: Bei jüngeren Haushalten ist die Differenz geringer, bei älteren Haushalten deutlich größer bpb.de."

                Weder eine Land-/Stadt-Ungleichheit, noch eine Migrantisch/Biodeutsch-Ungleichheit, noch eine Kapitalismus-Ungleichheit ändern das Geringste an der Tatsache, dass Ossis gegenüber Wessis benachteiligt sind. Und du weißt doch genau, dass wir uns nicht an “Himmelsrichtungen” aufhängen, sondern an den Kategorien ehemaliger DDR-Bürger*in und Nachkommen vs. BRD-Familiengeschichte.

                Was fällt es dir denn so schwer diese Fakten einfach einzusehen? Wenn dich soziale Ungleichheit wirklich interessiert, dann kannst du nicht einfach so tun, als ob bestimmte Gefälle nicht existieren. Und wenn du das doch tust, dann wunder dich nicht, dass du “die Ossis” nicht verstehst.

                • smokeysnilas@feddit.org
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                  6 days ago

                  natürlich ist Wohneigentum kein brauchbarer Indikator

                  Das war doch dein Argument, welches ich bloß aufgegriffen habe? Wenn die Zahlen dir nicht gefallen ist es auf einmal wieder kein brauchbarer Indikator?

                  Was fällt es dir denn so schwer diese Fakten einfach einzusehen?

                  Natürlich weiß ich dass das durchschnittliche Vermögen im Westen höher ist als im Osten. Das Problem ist sowohl Westen als auch Osten sind groß und vielfältig. Einfach den Durchschnitt über ein riesengroßes Gebiet zu nehmen und derart zu pauschalisieren ist absoluter Bullshit. Es gibt halt große Teile im Westen denen es objektiv noch schlechter geht als dem Osten, und das sind auch keine Einzelfälle oder Ausreißer sondern das sind Millionen von Menschen. Einfach zu sagen West/Ost ist die Grenze von Wohlstand/Armut stimmt halt einfach nicht.

                  • Chemo@feddit.org
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                    6 days ago
                    natürlich ist Wohneigentum kein brauchbarer Indikator
                    

                    Das war doch dein Argument, welches ich bloß aufgegriffen habe? Wenn die Zahlen dir nicht gefallen ist es auf einmal wieder kein brauchbarer Indikator?

                    Hmm, jetzt weiß ich nicht ob du mich nicht verstehen willst. Ich habe gesagt Wohneigentum ist kein brauchbarer Wohlstandsindikator, wenn man städtische und ländliche Gegenden miteinander vergleicht. Das sollte ja jedem einleuchten. Ohne die verzerrende Dimension Stadt/Land ist es aber natürlich sehr wohl brauchbar. Wohneigentum hatte ich aber vor allem deshalb aufgeführt, weil du behauptet hast es gäbe nur in 25% der Familien im Ruhrpott Wohlstand. Die Eigentumsquote von 25% widerspricht dem aber ja deutlich.

                    Was du machen kannst ist Ruhrpott mit Städten im Osten zu vergleichen. Da kommst du aber genau auf das selbe Missverhältnis. In meiner Heimatstadt Leipzig ist die Wohneigentumsquote mit 13% halb so groß wie im Ruhrpott.

                    Einfach den Durchschnitt über ein riesengroßes Gebiet zu nehmen und derart zu pauschalisieren ist absoluter Bullshit.

                    Es ist gar kein Bullshit. Es macht eine wesentliche Dimension der Ungleichheit in diesem Land sichtbar, die nur all zu gern übersehen (oder wie hier sogar abgestritten wird). Es gibt auch ein wesentliches Gefälle beim Wohlstand zwischen Frauen* und Männern. Sollen wir das auch ignorieren, weil es weibliche Millionärinnen und männliche Obdachlose gibt? Die Feststellung, dass Ossis systematisch benachteiligt werden widerspricht doch in keiner Weise dem Einzelfall, dass es bestimmte Wessis gibt die ärmer als bestimmte Ossis sind. Auch wenn das auf keinen Fall “große Teile im Westen” betrifft.