Erst haben wir Witze über die Vereinigten Staaten gemacht, nun ist ihre Wirklichkeit hier und statt die Überreichen zu besteuern bekeifen wir uns über “Migranten” und jeglichen anderen Scheiß. Dann wählen wir auch noch die Parteien in den Bundestag die alles seit Jahrzehnten vermasselt haben.
Ganz groß.
Das passend zum heutigen Gefasel des Tages: Bis 2030 soll es keine Obdachlosen mehr geben.
Was das für heiße Luft ist, sagt eigentlich schon die 1. Zwischenüberschrift: Bund setzt auf Netzwerk der Kommunen
Bund setzt auf Netzwerk der komplett unterfinanzierten Kommunen
FTFY
Es muss mir auch mal jemand verraten, wie die Obdachlosigkeit bekämpft werden soll indem man den Bedürftigen den Boden unter den Füssen wegzieht (sind ja alles Faulpelze und Schmarotzer! /s).
Ich hätte da so 'nen bösen Verdacht, aber bevor ich irgendwelchen Politikern noch Ideen gebe (falls die noch nicht daran gedacht haben), werde ich den nicht äußern.
Ich grätsche in die Politikerdchelte ungerne rein, möchte euch jedoch auf Wortpickerei und den Unterschied von „Obdachlos“ und „Wohnungslos“ aufmerksam machen.
Dazu kommt, dass jemand wohnungslos gilt, wenn er/sie „ohne festes Mietverhältnis“ lebt. Sprich in Flüchtlingsunterkünften und Wohnungslosenheimen.
„Auf der Strasse“ und somit ohne Dach leben 54.000 Menschen in DE. Das könnte realistisch bis 2030 reduziert werden. Wären denn auch genug psychiatrische Therapieplätze zur Behandlung frei. (Ein bisschen darf man ja noch träumen dürfen.)
Wohnungslosigkeit ist ein notwendiges Nebenprodukt des profitorientierten Immobilienmarktes und des Abomodells “nicht Obdachlos sein”.
In einer zivilisierten Gesellschaft sollte es ein bedingungsloses Recht auf eine menschenwürdige Bleibe geben - wenn der Markt das nicht liefert (Spoiler: er kann es gar nicht), dann muss der Staat mindestens mal stark eingreifen. Oder wir hinterfragen mal grundsätzlich das Konzept Wohneigentum, wenn es über die eigenen vier Wände hinausgeht.
Mit „Wohnungslos“ sind auch Menschen in temporären, nicht eigenständig gemieteten Wohnungen gemeint. Also „ohne festes Mietverhältnis“ wie es so schön bei der Tagesschau heisst. Sind sogar mehr als die, die auf der Strasse leben (39-55.000) Wir tun in DE viel für eine menschenwürdige Bleibe. Für genau 840.000 Menschen von diesen 1 Millionen.
Zum Vergleich:
Die USA haben nur 770.000 Obdachlose, davon allerdings wohl 300.000 unsheltered.
https://en.wikipedia.org/wiki/Homelessness_in_the_United_States
In Deutschland dagegen
2024 waren demnach 1.029.000 Menschen in Deutschland wohnungslos, also ohne festes Mietverhältnis,
56.000 Menschen lebten ganz ohne Dach über dem Kopf, auf der Straße.
Für die Menschen auf der Straße gäbe es noch Wohnungen, für alle Obdachlosen gibt es sie nicht.
Geschosswohnungen, die unmittelbar vermietbar oder mittelfristig aktivierbarer sind – lag Ende 2022 bei 2,5% oder rund 554.000 Ein- heiten
Pro Jahr können 300.000 Wohnungen gebaut werden
bis 2023 wurden durchschnittlich fast 300.000 Wohnungen jährlich fertiggestellt.
Der Bedarf wächst auch noch:
ist die Bevölkerung in Deutschland somit im Jahr 2024 um 121 000 Personen beziehungsweise 0,1 % gewachsen, nachdem sie im Vorjahr noch um 338 000 beziehungsweise 0,4 % zugenommen hatte.
https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2025/06/PD25_221_124.html
Hier ist die Anzahl der Obdachlosen pro freier Wohnung im internationalen Vergleich von Ländern mit viel Wohnraum:
https://realestatemagazine.ca/canada-ranks-11th-for-the-highest-proportion-of-empty-homes/
Hier ein Vergleich mit anderen europäischen Ländern: https://www.euronews.com/my-europe/2024/07/15/homelessness-on-the-rise-in-uk-and-france-how-do-european-countries-compare
“The housing market, combined with policy choices, and an unfavourable economic context, probably go a long way towards explaining England’s acute homelessness crisis,”
Irgendwie verstehe ich das noch nicht so ganz, denn ab ca. 2012 steigen die Zahlen in Europa. Aber würde da nicht wie doof gebaut, weil die Zinsen so niedrig waren? Oder waren das nur Luxuswohnungen und die ganzen Sozialwohnungen sind immer weniger geworden?
People experiencing homelessness as a percentage of total population (2010-2023)
Das ist UK. Z.B. Finnland fällt.
Bis 2015 hat Deutschland mit sinkenden Einwohnern gerechnet. Da macht Wohnungsbau nicht viel Sinn.
Ich habe mir die Originalstudie vom OECD angeschaut, weil’s mich interessiert.
DE:
- People living rough or in unvonventional dwellings 38.500 (whereas 1.100 are children) (0,1%)
- People in emergency or homelessness accomondations 178.100 (0,21%)
- People staying with family/friends 54.800
- Total 262.600 / 0,31% of total population 2022
USA
- People living rough or in unvonventional dwellings 256.610 (0,07%)
- People in emergency or homelessness accomondations 396.494 (0,11%)
- People staying with family/friends - not included
- 653.104 / 0,19% of total population 2023
https://www.oecd.org/en/topics/sub-issues/affordable-housing/homelessness.html
Also die OECD gibt diese Zahlen - 1 Millionen - nicht her. Mal schauen in dem Bericht von der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAGW) auf https://www.bagw.de/de/neues/s?tx_netnews_newsview[news]=389&cHash=0af8991fea9ade1f2535fef10b2327c2
Im Verlauf des Jahres 2024 waren 1.029.000 Menschen in Deutschland wohnungslos (2023: 928.000). Rund 56.000 von ihnen lebten ganz ohne Unterkunft auf der Straße (2023: 54.000). Zum Stichtag 30. Juni 2024 waren 760.000 Menschen betroffen (2023: 681.000; s. Abb.1)
- Auf der Strasse liegt nahe bei der OECD mit 56.000
- In temporären Unterkünften sind der Rest untergebracht, also 973.000
Demnach ist die Mehrheit der wohnungslosen Menschen im öffentlichen Sektor (s. Abb. 2). Circa 840.000 Personen sind ordnungsrechtlich durch Städte und Kommunen untergebracht. Ihre Zahl stieg von 2022 auf 2023 um 68 Prozent und von 2023 auf 2024 um weitere 12 Prozent. Gründe dafür sind unter anderem die anhaltende Zuwanderung nach Deutschland sowie der angespannte Wohnungsmarkt, der den steigenden Bedarf an bezahlbarem Wohnraum nicht auffangen kann.
Das heisst der krasse Anstieg der Wohnungslosen liegt in der Flüchtlingswelle ab 2015. Flüchtlingsunterkünfte als auch durch Städte angemietete Wohnungen gelten nach Definition als „Wohnungslos“ vermutlich weil es keine eigene Wohnung ist.
820.000 (80 Prozent) der wohnungslosen Menschen besaßen 2024 keine deutsche Staatsbürgerschaft, darunter waren 55.000 Personen mit einer EU-Staatsbürgerschaft und 765.000 Personen mit einer anderen Staatsbürgerschaft (oder staatenlos)
Unterm Strich finde ich die Berichterstattung ziemlich unter aller Sau und sehr tendenziös. Wer stellt sich bitte unter „Wohnungslos“ Menschen in Flüchtlingsunterkünften vor? Keiner! Nicht mal hier auf Lemmy, wie man an den anderen Kommentaren sieht.
Hauptsache die Zahlen hochjazzen damit es eine Nachricht ist und die Politik was macht. Wtf.
Die interessante Nachricht für mich liegt zwischen den Zeilen: Für 840.000 Menschen wurde Wohnraum durch die Kommunen angemietet. Da will mir noch mal einer erzählen, dass die Flüchtlingskrise den Wohnungsmangel nicht zusätzlich befeuert hat. Jaja, wir schaffen das. Und dann schaut Berlin zu, wie die Kommunen das dann schaffen müssen und kriegt den Wohnungsbau nicht auf die Kette. Was für ein Reinfall.



